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willkommen 10 2016

Self-Fulfilling Prophecy

Der Begriff stammt von Prof. Dr. Robert K. Merton (u.a. Harvard-University). Die self-fulfilling prophecy (selbsterfüllende Prophezeiung) beschreibt das Phänomen, dass unsere Erwartungen an das Verhalten einer anderen Person dieses Verhalten tatsächlich hervorrufen. Wir ignorieren die Bedeutung unseres  eigenen Verhaltens und nehmen die Ereignisse dann als Beweis für unsere eigene Vorhersage.

Zahlreiche Studien belegen dieses Phänomen. Ein Auszug:

  • Die Überzeugung, dass Japaner bei mathematischen Aufgaben talentierter sind als Europäer führt bei einem vergleichenden Leistungstest zu schlechteren Leistungen bei den europäischen Teilnehmern (Aronson et al. 1999, when white men can’t do math, Journal of Experimental Psychology, 35, 29-46).

  • Die Angst vor Stürzen führt bei Senioren tatsächlich zu einer höheren Zahl von Stürzen (Determinants of disparities between perceived and physiological risk of falling among elderly people: cohort study,  British Medical Journal, 2010).

  • Grundschullehrer wurden mit einem simulierten Test davon überzeugt, dass einige ihrer Schüler hochintelligent seien und hervorragende Leistungen zeigen würden. Tatsächlich waren sie vom Versuchsleiter jedoch zufällig ausgewählt worden und durchschnittlich begabt. Bei einer Intelligenzmessung am Schuljahresende stellten die Grundschullehrer bei den meisten dieser Schüler einen starken Anstieg ihres Intelligenzquotienten fest, zurückzuführen auf die positive Erwartungshaltung und entsprechendes Verhalten der Lehrer (45 % steigerten ihren IQ sogar um 20-30 Punkte). Dieser Rosenthal-Effekt wurde seither viele Male in verschiedenen Settings repliziert (E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008).

  • Männliche Versuchsteilnehmer telefonierten mit einer angeblich attraktiven Teilnehmerin. Aufgrund dieser Vorannahme zeigten sie ein positives Telefonverhalten (mehr Interesse, genaues Nachfragen), so dass sich die Teilnehmerin von Anbeginn wohl fühlte und offener und freundlicher reagierte. Die Versuchsteilnehmer schätzten ihre Telefonpartnerin im Nachgang tatsächlich positiver ein, als wenn sie diese Vorannahme nicht hatten (Snyder, Tanke & Berscheid, 1977. Social perception and interpersonal behavior: On the self-fulfilling nature of social stereotypes. Journal of Personality and Social Psychology, 35, 656-666). Vergleichbare Studien gibt es für Bewerbungssituationen.